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Erklärung der IPPNW vom 28.04.2017

IPPNW-Stellungnahme zur Koreakrise

Die anhaltenden Spannungen auf der koreanischen Halbinsel drohen zu eskalieren, angeheizt von beidseitiger Angst, Provokationen und dem sprunghaften Temperament zweier unberechenbarer und mit Atomraketen ausgestatteter Regierungschefs. Die aktuelle US-Regierung scheint fest davon überzeugt zu sein, die Situation mit Machtdemonstrationen und militärischen Drohgebärden lösen zu können. Die Regierung unter Kim Jong-un hingegen verstärkt ihre Bemühungen Nuklearwaffen und Trägerraketen zu bauen und zu testen, während sie den USA „massive“ Vergeltungsmaßnahmen ankündigt, sollten sie ihre Drohungen wahr machen wollen.

Zehntausende Menschen sind auf beiden Seiten der entmilitarisierten Zone inmitten dieses eskalierenden Konfliktes gefangen. Ein potentiell nuklearer Konflikt, der durch einen einzigen Fehltritt oder eine schlecht durchdachte Entscheidung, sowohl auf der einen als auch der anderen Seite, in einen Krieg münden kann. Nicht nur sind die Leben von Millionen von Nord- und Südkoreaner bedroht, ein bewaffneter Konflikt würde angrenzende Staaten wie China, Russland oder Japan unausweichlich mit in den Konflikt hineinziehen.

Auf diese Weise könnte ein regionaler Atomkrieg in eine globale Katastrophe münden. Der Einsatz eines kleinen Bruchteils des vereinten nuklearen Arsenals Nordkoreas, der USA, Russlands und Chinas auf Städte der koreanischen Halbinsel, aber auch anderswo, würde zu einer globalen nuklearen Hungernot führen, die Milliarden von Menschen dem Hungertod aussetzen würde. Die Folgen eines solchen Krieges wurden in den letzten Jahren bereits auf drei internationalen Konferenzen über die humanitären Auswirkungen von Atomwaffen thematisiert, die die seit langem vorherrschenden Meinung bestätigte, dass Atomwaffen nie wieder und unter keinen Umständen einzusetzen seien und dass der einzige Weg zur Sicherung unseres Überlebens ein Verbot und die Vernichtung dieser Waffen selbst sei.

Wenn nicht unverzüglich Schritte eingeleitet werden, um die aktuelle Krise auf diplomatischem Wege zu lösen, könnte der Welt sehr wohl die Zeit wegrennen, um ein atomares Desaster zu verhindern und das, trotz der bereits 70-jährigen Gnadenfrist, die dringendste aller Bedrohungen für unser gemeinsames Überleben zu beseitigen. Keine andere Option sollte überhaupt erst auf dem Tisch sein.

Die Alternative zu einem Atomkrieg sind Bemühungen der USA, Nordkorea und anderer Regionalmächte, im guten Glauben die militärischen Bedrohungen durch diplomatisches Engagement, welches die Sicherheitsbedenken und –Interessen aller Parteien berücksichtigt, zu ersetzen. Alle atomaren Aktivitäten, seien es Atomwaffentests, Raketentests, Tests von Raketenabwehrsystemen, Provokationen durch Militärübungen sowie verbale Drohungen über den Einsatz von Atomwaffen, sollten unverzüglich eingestellt werden. Eine offizielle Beendigung des Koreakrieges, die seit der Waffenstillstandsvereinbarung von 1953 nicht vorangekommen ist, sollte Priorität der regionalen diplomatischen Bestrebungen sein.

Die aktuelle Krise auf der koreanischen Halbinsel macht deutlich, dass eine Unterteilung der Welt in Nuklearwaffenstaaten und nuklearwaffenfreie Staaten unhaltbar ist. Der Besitz  und die Drohung mit Atomwaffen durch eine Handvoll Staaten, fördert Konflikte und die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen eher, als dass sie diese begrenzen. Die Weiterverbreitung von Atomwaffen ist ein Symptom, das eine globale Lösung erfordert.

Im März hat die internationale Staatengemeinschaft einen enormen Schritt in Richtung Beendigung der atomaren Bedrohung unternommen. Über 130 Staaten in Zusammenarbeit mit internationalen und zivilgesellschaftlichen Organisationen nahmen an Verhandlungen für einen Verbotsvertrag für Atomwaffen teil, der zu ihrer vollständigen Abschaffung nach internationalem Recht führen soll. Diese Verhandlungen wecken die Hoffnung, dass eine  atomwaffenfreie Welt unter internationaler Führerschaft möglich ist und dass ein klarer Weg hin zu diesem Ziel schon zum Ende des Jahres definiert werden kann. Jede Regierung sollte sich konstruktiv an den Verhandlungen  beteiligen und diese unterstützen.    

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